Carte Blanche

Carte Blanche II / 2016: Henning Spitzer

Henning Spitzer – Die Kraft der Erregung – Grafik, Plastik Malerei

im Schleswig-Holstein-Haus Schwerin

 

15/10/2016 bis 20/11/2016

Vernissage am Freitag, den 14. Oktober um 18 Uhr mit einem Gespräch zwischen dem Künstler und Christina May, Projektleiterin Künstlerbund MV

 

Workshop `Porträtzeichnen` mit Henning Spitzer am 5.11.2016

Workshop `Porträtzeichnen` mit Henning Spitzer am 5.11.2016

Am Samstag, 5. November von 11-15 Uhr bietet Henning Spitzer eine praktische Einführung in die zielführende und wahrnehmungsbetonte Arbeitsweise am Beispiel des Porträtzeichnens ebenfalls in den Räumens des Schleswig-Holstein-Hauses an.

Teilnahmegebühr:                     60 Euro/ermäßigt 30 Euro inkl. Material und Modellgeld.

Anmeldung bitte unter               0178.1380504

Henning Spitzer - Die Kraft der Erregung

 

Nicht mit den Händen, sondern mit einem hohen körperlichen Einsatz das Geliebte verWIRKLICHEN. Die Augen lassen sich zu leicht täuschen und halten dabei das Gesehene auf Distanz. Statt hinzuschauen  lieber Auf-Sich-Wirken-lassen. Dieses lässt sich meist so auch nur unmittelbar vor der Natur, dem Gegenüber erfühlen. Wenn die Hand gehorcht und nicht nur das Erdachte wiedergibt kann auf dem Papier Musik entstehen. Dieser zunächst als Widerspruch empfundene Kontrast von bewusster Konzentration und gleichzeitigem Sich-Treiben-Lassen steht in der langen Tradition des deutschen Expressionismus. Die Geschwindigkeit des Schöpferischen Prozesses ermöglicht Zusammenhänge. Der leichte Strich bleibt dadurch keineswegs Selbstzweck.

Die besten Ergebnisse erscheinen wahrhaftig; Linien und Flecken sind nicht mehr zu spüren, bilden stattdessen Klänge und Inkarnieren. Der Bildraum öffnet sich imaginär. 

Allein das Motiv bestimmt die Wahl der Gattung (Malerei, Zeichnung, Plastik). Alle verwendeten plastischen, grafischen und malerischen Techniken ermöglichen das ständige Hin und Her - Verändern, Verschieben, spontane Reagieren. 

So wie das Motiv einzig sein Sinn als Objekt der Begierde besitzt, fungieren die Techniken als Diener die sich dem Willen des Machers unterwerfen und ihn bestenfalls nicht begrenzen. In der Kohlezeichnung sind es Lappen  und Radierer, in der Malerei die Vermalbarkeit und Übermalbarkeit  und in der Gips-Plastik Spachtel und Beil. Auch die sich ständig verändernde Erscheinung verlangt Rasanz. 

Die freie Handschrift entsteht dabei allein durch ständiges Tun.

Pressespiegel

Ostseezeitung, Bericht und Fotostrecke von Cornelius Kettler, 14.10.2016

Henning Spitzer - Über Mich
Henning Spitzer Porträt

Henning Spitzer - über mich

 

Geboren 1971 in Greiz im Vogtland als Sohn eines Hafenarbeiters und einer Apothekerin, aufgewachsen in Lichtenhagen entdeckte ich in der Malklasse des Rostocker Konservatoriums unter Waldemar Krämer im Porträtzeichnen eine Neigung zum bildlichen Erfassen des Erfahrbaren. Nach dem Studium der angewandten Künste in Heiligendamm - FH-Diplom als Formgestalter - wuchs während der anschließenden freiberufllichen Designertätigkeit der Drang nach sinnlich-zweckfreiem und dennoch konkretem Schaffen. In jahrelangem intensiven Aktstudium, gespeist durch die jeweilige Erregung des Moments, erkannte der Rostocker Maler Jürgen Weber mein Temperament und förderte dieses. Die folgende Auseinandersetzung zwischen Konkretem und Zügellosigkeit im ständigen Üben bildete Grundlage und Handschrift für die allmählich beginnende Auseinandersetzung mit Figürlich-Plastischem. Die zunächst als einfacher empfundene sinnliche Formung (im Vergleich zur Suche nach dem Umriss) wuchs unter den Bildhauern Thomas Jastram und Michael Mohns schnell zu einer neuen Aufgabe. Handwerkliche Konstruktion und sinnlich-impulsives Arbeiten in Gips und Ton vor Modell führten mich zu einem Aufbaustudium nach Halle an die Burg Giebichenstein zu Professor Bernd Göbel. Dieser Schritt war mit Ausschließlichkeit verbunden. So beendete ich 2001 die Tätigkeit als Designer. Trotz Erlernens wichtiger technischer Fertigkeiten kehrte ich, enttäuscht und angesteckt von der vorherrschenden Lustlosigkeit, fehlenden Gier im Übertragen des Erlebten, der Bildhauerklasse bald den Rücken. Es folgten Jahre voller Frust und Ablenkung in Mecklenburg. Erst die Rückkehr nach Rostock und die erneute Ansteckung durch das vorbildliche tägliche Üben von Jürgen Weber beflügelte mein Tun. Die lang ersehnte Einheit von Leben und Arbeit schaffte ich in einem kleinen Raum in der Östlichen Altstadt von Rostock. So begann die Zeit des Getriebenseins und des Immer-Tun-Müssens. Mit der `Richtigen` an meiner Seite und mittlerweile 4 Kindern ließ sich das Lebensideal nicht fortführen. Neben dem Umzug 2010 nach Güstrow schafft seit 4 Jahren das Atelier im Krönchenhagen in Güstrows Innenstadt den schöpferischen Rahmen. Die vergänglichen Impressionen, die Lichterscheinungen der Momente locken mich zu immer neuen Variationen zum immer selben Thema `Stillleben`. Oft gelingt es erst nach vielen Anläufen, mittels Farbflächen und dem vitalem Pinselstrich  ´a la prima´ Gefühle beim Betrachten wiederzugeben, wo mittels Plastik und Zeichnung keine Wirkung zu erreichen ist. Die Wahl des Metiers wird nun durch das Motiv bestimmt.  So entwickelte ich in den vergangenen Jahren eine ebensolche Formsprache in der figürlichen Plastik, die der Idee von der Grossen Offenen Form folgt. Eine äußerst lebendige schaffensbetonte Oberfläche. 

Die fruchtbare Dreieinigkeit von Empathie, Impuls und Konstruktion folgt einzig dem Ziel der Verwandlung des Sichtbaren und Empfundenen in eine eigene Wirklichkeit.

Eine Ausstellungsreihe des Kulturwerkes
des Künstlerbundes M-V

2014 wurde Carte Blanche als neue Ausstellungsreihe ins Leben gerufen.

Der Begriff »Carte Blanche« stammt aus dem Französischen und bedeutet sinngemäß »freie Hand«. Diese freie Hand soll KünstlerInnen des Künstlerbundes M-V hinsichtlich einer Ausstellung im Laufe des Jahres gewährt werden.

Die KünstlerInnen können Themen und Werke selbst bestimmen, ebenso die Präsentation in den Räumlichkeiten des Schleswig-Holstein-Hauses in Schwerin. Lediglich eine Auflage gibt es. Die KünstlerInnen müssen ihre zeitgenössischen Werke plausibel und didaktisch ausgereift den BesucherInnen nahe bringen.

Denn noch immer gibt es Berührungsängste hinsichtlich zeitgenössischer Kunst. Diese wollen wir durch die Ausstellungen abbauen. Gespräche mit BesucherInnen werden gezielt gesucht. Auch sollen sich die zeitgenössischen KünstlerInnen über die Wirkung ihrer Arbeiten bewusst werden. Die Distanz zwischen Werken der aktuellen Kunst und ihren Rezipienten soll aufgehoben werden und für ein besseres Verständnis, sowie für eine stärkere Akzeptanz auf beiden Seiten sorgen.