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Maria Elise Raeuber

Kontakt

Maria Raeuber

Kurt-Schumacher-Ring 190
18146 Rostock
fon 0381.33750115

maria.raeuber@gmx.de

Worte Worte

 

Gedanken über die Arbeit und Anderes

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spüren wie die feinen häute der zeiten eng aneinander liegen gestapelt wie sich das morgen an das heute schmiegen wird schon jetzt die wortschüppchen des gestern die schweben leicht umher bis sie sich legen landen auf einer fläche sodann zeitzeichen werden wie solche zeichnungen spurenansammlungen vielleicht so wie noten ihre plätze suchen und finden dabei ein gleichzeitiger momentton doch einklang immerzu bleiben

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die natur ist so in sich online ist ohne kabel ohne ende strömend zeitrauschen wie leertaste gedrückt halten zwischen allen zeichen die eine pausensprache das immermeer immerda

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wenn ich weiß dass ich das feine viertel durchqueren werde wähle ich meine kleidung viel sorgsamer aus als sonst das feine viertel einer stunde das feine viertel eines tages ein auftritt mit daunenfedern unter den schuhsohlen mondkreisläufig rillenfrei gedacht ganz und gar ins reine geschrieben und dann - siegelbruch - glasklirrend ausgegossen hingesagt im farblosmodus klingt es monoton wie ein pupillenschwarzer strom - die tinktur - der heilkräutersud und kometen sollen paukend sirren in dieser schmiegsamen partitur wie schwarzes weiches leder nächtliches dunkel farbsättigung bis "absolut" zwischendurch: spektrale lichtbrechungen blinken auf edelsteinglanzgetöse so glittersplittergewitterstrahlen indigopetrolnachtbarkenblaue zikaden lassen ihre töne stranden wellenförmig wie in den märchen wie lang ist das her zaghafte erinnerung zögert schweigend sich aus - ein ballsaal im freien die tanzenden das fest und kerzenschein ab dämmerung spiegelt sich im klaren teich wer da baden geht verwandelt sich gewiss wunderkerzen sprühen knisternd wie fächer kornblumenblütenblätterlichtfunken fühliges schwirrt leise wispernd umher

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diese welt ist eine vermutung des geistes auf die wir uns zu einigen versuchen mit allerlei sprachlichen mitteln und so den mittelpunkt aller wahrheiten hat bislang niemand erblicken können denke ich gott sei dank meine welt bleibt also exklusiv einmalig weil keine meiner sprachen sie vollständig aufwiegen kann da sagte der pottwal plötzlich ich bin es gar nicht ich bin ein fliegendes lamm beziehungsweise die weiße taube die lächelnd den frühling bringt oder die briefe nichts von allem was geschrieben wird ist die ganze wahrheit das glaub´ mir mal echt du meeräugiges reh

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feingliedrig tägliche versuche die großen rätsel aufzudecken zu erlösen kläglich vergebens wieder und wieder ein vorhaben das überwiegend katzenhaft mystisch im bewusstsein döst aufmerksam auf warmen verandaplätzen blinzelt genießerisch sobald da licht drauf flutet erleuchtend drüber perlt nicht so wie der uhu es tut ganz selten nur ausschlaggebend ist das mischverhältnis aus direkter kontaktzeit und lux-zahl

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im interview sagte der hostienbäcker das blanke rauschen hat geduld und ich sage die drollig bommeligen bilder sind farbgefäße oder englische kirschen drei tage lang wollte mein hirn sie nur immerzu strawberries nennen tatsächlich sie merken sich töne oder ähnlich also und blinkern dabei ab und zu uncool neckisch vertraulich daran halte ich fest bestehe darauf dass das ungraues ist ach und schwarz hach ja das erschien auch mir einst strahlte verheißungsvoll zauberische heimlichkeiten aus als konkurrenzlos vollkommene allkonzentration verruchter ruß verraucht verrutscht oder solche ebenholzdark uferlos pigmentierten nächte gibt´s kaum mehr - sterne wie klaviergeklimper hell - eigentlich irgendwie schade ein bisschen fehlt mir dieses aufmersamkeit schlürfende gongklangbündel aus allen farben so ein lithografietuscheschwarz manchmal doch margarete bruns nennt es u.a. "das licht vor dem licht" und ich verehre über anderen immernoch pierre soulages und lee bae

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du (mein unfreund) erzeugst so ein unruhiges unbehagen in mir wie eine schwerfällig sattdunkle wolkenwand kulissenhaft wie pappmasche' und innen draht die vom horizont aus träge aber unnachgiebig näher heran rückt und ich habe papier zu transportieren in viereinhalb stunden große aquarellbögen ineinandergerollt ich habe keinen gedanken parat der mir als schutzhülle taugt ergötzlich blickst du hinab auf diese periphere not die mich einsilbig macht mit schmalen lippen dir gegenüber deine last legt sich als dohlengraugewicht auf die brust erschöpft das licht lähmt perfide solide all die friedfertig munteren gesten - du bist mir echt lästig du! davon krieg ich seelenbelag plaque legt sich auf stimmungsbänder fensterscheiben usw. da hilft mir nun auch nicht das gebastelte krafttiersteinböckchen es flüchtet sich zitternd sucht ein versteck vor dir in der ferne erfundener orte - wohin? - verliert schamfühlig sein nervenkostüm dabei und da sieht man schon die hellrosanen hasenohren die flauschen hervor unterm gehörn aus bristolkarton es grübelt sich knüllig knautschig über druckfahnenflucht seeuntaugliche matrosen tintenfischrauch und friert wie warm ist jetzt eigentlich das mittelmeer im dämmerlicht? man kann die geborgenen schwimmer mal fragen und ob die zugvögel sahen über sich kraniche transportieren ja glück zwischen den federn das macht mich müde das zu denken die ziehenden formationen die zeichensprache der heiseren sänger und erreichen das ziel etappenweise vollenden ihre fluglinie luftbrücke heldenhaft virtuos ganz ohne kaffee und agavensirupstullen

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ab und an muss man sich auf regen gefasst machen und sich dem entsprechend außen ausstatten sich darauf innerlich einrichten innen licht einschalten gutmütig wolkenweich sein und sanft

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so scharfe kanten zähne krallen das tut mir sehr leid aber meine sache ist es nicht mir wird das haargarn genau frostweiß von so einer welt aus gezinkten karten und untreuen sätzen ich bräuchte einen riesenmuschelschalenpanzer vor mir ach rund herum fechtmasken wären doch praktisch als schützhülle über der ganzen haut dann würde man nie mehr den drang verspüren müssen sich nieder zu kauern und schildkrötenpanzerdach drauf - fast überall fassadengeflunker und augenwischerei mit zuckergussschmierfinkenfingern auf eindimensional geglätteten weltbildern - smiley slime oder grauspröde parolen mit glutrot abgewetzten ellenbogenflicken - so macht jeder selbst klumpige pampe aus seiner hirnsubstanz siehe brägenkochrezepte - nein farbenmatsch mag ich nicht - und das charisma die hoffnungsbegabtheit der wirklichkeit verendet klaglos tapfer mit anmut ohne noch aufsehen zu erregen

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und es reibt auch immer wieder soviel chaos ungemach schnell diese wie zu dünne papierhaut auf dann muss man mit metaphorischen wundverbänden rumlaufen außerdem brennnesselfell und fällt wieder auf in der menge wie auch immer als ein bedürftiges anderssein ungünstig und dann vorführeffektiv gern gebraucht als projektorpuppe grundlos offenbar ungehalten wankend wollgrasflauschig klangfärbung existenznotgesang fluchtweg notausgang fliegende hände fächeln viele schnelle lange sätze durch die luft wie windmühlenflügel - zermahlen zu grobe athmosphärekörner und schrotkugeln die unsichtbaren geschosse in den gesprächen mit persönlicher anrede und unter anderem blickkontaktfesselung gnadenlos - drangsal beschämend bestürzung nachträglich flachatmung lähmt lange bei personenbezogenem lichtspieltheater allein im kinosaal nachsitzen in diesem soulfilm: "das geisterhafte zirpen der glänzenden smaragdlibellen" garstige verwunderungen solcherlei blessuren in stiller einkehr auskurieren wieder und wieder bis du dich endlich gelernt hast und das ganze erahnst ohne pausentaste sagt der lehrer schwebt hoch oben über mir den weine ich an schmerzklagend jedes mal wieder und das säubert den augenblick dann wenn es zu weit entfernt von mir erschien das trostwissenreservoir

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nur du "der eine mensch" bist dieser (daran glaube ich und dir): du sparst in keiner geste eine formulierung auf für irgendwann irgendwie später so ganz ausgesprochen bist du erkennbar in jedem moment ein deutliches lebenszeichen ununterbrochen unmittelbar in weltkontakt tastend mit fingerspitzengefühl unbegreiflich viel bedingungslos zartes kaum zu beschreiben wie solch ein sanftmütiger platz in der traumzeit der natur wo noch zinnoberrot der sand liegt und dauert und bleibt dort und verhält sich so schlicht anmutig wie ein gegebenes versprechen das sicher eingelöst werden wird vereinbart mit der ewigkeit der welt du stehst zu oberst auf meiner liste der gefährdetsten wesen die ich hegen und bewahren soll du baumort kein sturm kann dich entwurzeln aber aus einem erlesenen so selten gewordenen holz bist du dass man das begehren der axtträger nach bauholz tischlerholz schnittholz kleinholz schnitzholz zündholz feuerholz stetig umlenken muss immerzu achtsam darauf bedacht die geringfügisten gesten wie wichtige briefe zu betrachten vollständig aufgefächert einzusehen zu lesen im unklarklangteppich sonores gesumm immaterielles rauschen nur einheitlich molekular zu verstehen eventuell so subtile verzerrungen wie windspurenförmig vertuschte schrift die sich einlöst als weiße farbe ins blaue wasserglas löschpapier mattiert und bleicht schillernd buntes lebendes - das darf doch nicht wahr sein - wo haben die libellen schutzorte?

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die besten sachen bleiben doch immer die mit den glühflittern der liebe die tatsächlich nachglimmern beständig und auf der ewig fernen bühne der mond im nachtgewand

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"keks" ist fast immer ein leckeres wort nur mit dem orangengelee gefüllt mag ich das leider nicht und mit diesen zähen festen gummiartigen konfitüren verziert die sortiere ich auch aus aber bei "fondant" da schüttelt´s mich richtig kalt schaurig bei eiskonfekt in bunten dicken alufolien auch ich mag die dinge die rauschig knitterig knistern wie sehr trockenes unflexibles papier toll ist wenn ein mensch auf diese weise herzlich lachen kann und weißt du über den galaktischen blutkreislauf können wir uns gern mal ausführlicher austauschen beim nächsten mal wenn du mein sprechbesuch bist dann setzen wir richtige sätze aus in die luft und backen glückskekse drumrum die knuspern wir lächelnd in unsere mundwinkelmuskeln hinein dass es brabbelig krümelt dabei und der prasselkuchen kracht so unvorbereitet satt wenn wir ihn mittig teilen mir klemmt schon das lachen im rachen beim denken daran - bis dann!

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vierter märz:

manchmal erscheinen die alltäglichen dinge sortierter als sonst heute liegt noch der schnee von vor einer woche und er hat gelernt in der zeit eifrig die erde die sonne den klaren himmel die füße der leute das nützt ihm nicht er wird dennoch schmelzen müssen und mit ihm sein wissen dahin einsickernde pfützen die trocknen die leute vergessen ihn sie denken viel vorwärts "es kommt der frühling" sagen die leise während ihre blicke frierend über den weise gewordenen schnee schweben und sehen ihn schon nicht mehr "schneeblind"

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die windfigur dort im frühling

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mit diesem vormittagslicht fiel neulich ein bis dahin unbekanntes geläut in meinen inneren kreis so ein gefühl herausschreiben zu können das wär´doch genial!

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windernte zwischenzonenblau die wahrhaut schützen mit klangschichten aus laubgrünem samt und feinleinen die unbedingten farben jenes tages sicher ins nachtfach ablegen bevor sie eingedunkelt werden man sagt auch verblassen

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circa zentral im april

spektralfarbendiffusion durch semitransparente membranen bis zum raunenden einklanggeräusch bei gehüpft tupfig kühnem geklimper auf der pigmenttastatur hier fehlt noch diese besonders zurückhaltend höflichkühle rotnuance richtung rote beete hochfein schmirgelig aufgerauht einen zählbaren moment lang bevor das ins fliederige hinüber rinnt dies soll nicht als metapher verstanden werden sondern als konkreter gedanke einer erfundenen figur die aus naturpigmenten und diversen bekömmlichen zusatzstoffen nach uralten rezepturen leuchtende farben anmischt so wie das die mönche machten für ihren textschmuck die filigranprunkvolle buchmalerei dereinst und diese dinge dauern noch immer und die werden von schlössern und wächtern beschützt gehegt bewahrt wie teuer geliebtes wahrlich im gegensatz dazu zum beispiel  - _ friedvolle tagspuren betörend windstill ausführlich fuchtig fauchende tulpen gedeihen raketenrot ein eingelöstes frühlingsversprechen schwärmt ausgiebig entflammt kokettieren granatapfelblüten woanders _ auch so etwas vorübergehendes unbeständig wie ein schnappschuss der verblüht in der wabernden pfote eines der gierigen cloudmonster das alles auf gedeih und verderb hortet an unauffindbaren orten in einer parallelzeitstruktur die digitalbilderschöpfer verlieren die zugangsdaten dorthin nach ablauf einer vorgesehenen frist die geländepläne zerfallen zu staub zerrieseln zu feinstem quarzsand aus dem neue bildschirmglasscheiben gegossen werden können floatglas dieses trudelnde chimärenmonstrum aus archivclouds digitalgolem es frisst aber gar keine bilder nee nee es sammelt brav alle menschenschnipsel hebt sie auf und klebt sie zu puppen zusammen heimlich nach und nach diese hüllen sehen den echten menschen halbwegs ziemlich bis sehr ähnlich bereits jetzt können sie lesen und kleine wortstrohhaufen fehlerfrei rezitieren fast auf den punkt genau richtig betont sogar ja doch ja kaum erträglich ja schon wie selbst erdacht klöppelspitzenbordüren wie samthammerschläge mäandern wälzend zerrend sich hin durch alle nähkästchenkanäle nachrichtensprechapparaturen neben der nachttischlampe die leute stehen soldatisch steif wie schockstarre hölzern in den schultern voreinander sprechen lächeln präzise erprobt konzeptuell nur noch mit vorgehaltenem schild das kleine schwarze vor dem herzmuskel in dieser eingeschränkten gestik liegt sowohl großer notdruck drin als auch hilfsloser jammer dröge - ich glaube zu ahnen: die weisen indianer die in weichen lederschuhen tastend und umsichtig durch ewige jagdgründe wandern würden wenn sie könnten den "weißen" aus ihren mitgefühlbrunnen handgeschöpftes tränenwasser schenken in der hoffnung dies möge reichen als kur - ein fluss springt tobend von der klippe fällt herunter ergießt sich weiche wassernebel dunsten sprenkeln kühl gebauscht diesig milde drumher geradezu pompös rund bommelig der laue träumende mond als matte silbergarnstickerei geduldig an einem dunkelblauen baldachin gesehen

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es könnte lustig sein wenn es anders wäre luftiger wahrer entspannt das träge lehnen schmiegen lungern lässig lagern lümmeln liegen oder lügen an wänden wie vorrübergehend halt suchend die abfärben kreideweiß bleich manchmal wie die taube sehr müde wirklich wie gehabt ich brauche tomatenrot und arme um gebäude zu bauen schneckenhäuser vielleicht ich kenne mich in dieser sprache nicht aus und was schreibt man in ein tagebuch mit deckeln aus dünnen brettern holz? wir brauchen nicht klagen alles wird vernünftig gut gewesen sein wie immer  - man soll nicht zuviel grübeln sagst du wieder und nicht die genaue zahl der fehlenden schmetterlinge wissen mit sorgenfalten wegen faltern und echtem kummergram fällt man ungünstig auf in sozialen netzwerken übrigens das isoliert instagram scheint ein großer ordner für bonbonmelancholiefotos und puddingschüsselperfektion zu sein ich kenne mich in diesen sprachen nicht aus da ich mich fern halte von den fabriken neueingängiger schönheitsbegriffe dieser puderzucker beißt zu sehr in den augen im bauch und schnürt den hals weißt du das foto mit den zercrashten schneckengehäusen bekäme nämlich null likes weil die sich da mit so einer sprache sicherlich nicht auskennen you know

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es hat sich soviel sprachloses staunen angestaut in mir über all die zeiten das muss doch alles mal sorgfältig ausgesagt werden ausgebreitet die aufsagung der einlagerungsbestände umlagerung auslagerung auf papier vielleicht erleichterung sodann vielleicht eine neue verortung des wortes ich der stift macht die reise dahin

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soweit es noch sieht durchschütteltes leben rührt am drückensten das herz an und zynische strudel torkeln fiedelnd ungnädig im wörtersee wie zum beispiel monstersturmriesenwellenmanufakturen wir verlegen die horizonte bis nah vor unsere füße da reichen verhältnismäßig wenig fingerspitzen hin in der tat eine hinreißend delikate wahrheit verführerisch charmant beständig wie wohlstandsspeck genießerlust und die akribisch gepflegten archive für zeitlose schönheit

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böig säuselt der handelnde wind flattert wie cinderellas tauben täglich müssten wir weben um uns das lebendige warm zu erhalten mit diesen decken aus urzeitwissen ließen sich die flackernden flammen des haltlosen jetztzorns löschen so träumen es wohl die wankenden bäume vielleicht ist so ein ziemlich zeitgenössisch gähnend gedehntes wort flexibel auch transparentestoff

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fünfundzwanzigster september

seit dem aufwachen denke ich nach mit welcher farbe ich das wort wind schreiben werde heute - siehe oben -  vielleicht wie artischocken aus der dose oder angela merkels mattes haar für die äußerlichen unterschiede der völker interessiere ich mich bloß oberflächlich so aus neugieriger hinsicht auf die kulisse der person mal ganz ehrlich es gibt aber doch auch welche die sehen immerzu akkurat gekämmt aus als trügen sie wie altmodische und volker damals ständig den kamm in der rücksichttasche mit sich oder neben dem mobiltelefon ich stelle mir vor wie irgendeiner von volkers brüdern einzeln in ernsthaft kniend liebevoll wie wogen glättend die ausgedörrten sommerwiesen kämmt in chemnitz

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sanftes gestrüpp um den kopf frühlingswacholder oder ähnliches und die leute laufen wegen dem jahreszeitwechsel in joggerkostümchen umher wechseln auf einen verschlungenen pfad auf dem sie der winter nicht wieder finden soll sie wollen ihn abhängen sie nehmen das ernst und ich finde dass sie überzeugend agieren ich fahre so gern an der baustelle vorbei auf der brücke über die warnow das sieht da aus wie kunst täglich neu so eine temporäre installation aber alles echt richtig echt zweckmäßig aus dem moment heraus also wahr funktional so unbestechlich authentisch wie die tätigen leute dort ihre utensilien platziert darbieten schlicht auch nachträglich in den raum ihrer abwesenheit erweitert wenn pausen sind ich jubele heimlich wild herum in mir dieses schöne betrachtend und spende ihren werken unsichtbar beifall das meine ich so ernst dass mich das freudig anrührt aus unerfindlichen gründen betörend die worte werden schlichtweg zu schmal dünne bewegen sich wie abgebrochene flügelreste fragmente den puren gefühlen gegenübergesetzt unangemessen ungeschmeidig wenn also die bilder einzig zum merken da sind nicht zum aussagen einfach dahin vorbei dann nämlich die variabilität des besehenen geschehens komplett

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almanach wählscheibe das morgendliche gedicht ging rigoros verloren wie das antlitz vom traum kreischende flamingos die platanengrüne stadt und robiniendolden verteilen kopfüber weiß weiche luftküsse meine wählerischen nüstern weiten sich geschmeichelt verzückung mit seufzend fächelnden lidern ich wünsche mir wie jedes jahr ein kopfkissen damit befüllt und auch die heckenrosenbüsche lassen sich nicht lumpen jungfernanmutig blütenblattseide weiß mit gelbem dotterauge feine antennenstaubgefäße fragil zögernd vornehm duftend hingegen die anderen leuchtend pinkpurpurgönnerhaft ausgiebig spendabel das ist ein silvesterfest und es fliedert noch immer kollernde glasmurmeln ausgekippt wie ausgedacht über die überbelichtete tagfläche überfluss irgendwo ist ein regal wo all das hin geht mit uns die gestirne

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so eine frühsommerblaue blume wie soll man die sagen? und die menschen begannen das malen der worte in denen die bilder schläfrig ausgedehnt lagern wie in versiegelten briefen und sagte ich anschaulich reell die schwertlilie träfe so ein name niemals den nabel oder das herz des empfundenen moments im vorüberflug der grell juchzenden schwalben die schwirren mit zwei blauen schwertern auf dem porzellanrücken und heißen nicht meisen trotzdem

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reihe blauer rehe augengesicht blausternblütendunst solche tage du bist allerdings schön ich unvorteilhaft zu helldünnhäutig in dieser sommerglutkonzentration texasbahnhof man wir könnten  doch im stroh liegend hüte flechten als nebenerverb nacktenschutz beim zuzwinkern und schmunzeln im freien unverzichtbares accessoire oder just in dem besagten moment wo wir wohl behütet auf der schillerparkbank ein auf den punkt gedachtes gespräch vollenden über die flugbahnen eines pfeils vertraulich amors grinsebäckchen erröten heimlich zaudernd zerzaustes rotkehlchen gezähmt oder auch äpfelchen auf schneewehe dekoriert mit viel o und und und langem u pomologenkunst

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ein bild auswendig denken die sonne machte ein schrilles geräusch das auf der haut brannte aus der vergangenheit strömte später etwas früheres über meine hülle es kam aus dem zeitfluss  angeschwemmt eine ungegenständliche zierlichkeit tirilierend verschüttet wie aus versehen imago draußen die füllwatte flockig aus dem lammkuscheltierchen das weiße die balzenden bäume geben das wie werbegeschenk advertisement es versammelt sich konzeptlos freiwildwuschelig und schmust duftig luftig zusammengerauft gruppenkuschelig wie etwas zahmes zutraulich auch sensitivtuffig schwärmend konfuszart inbegriff von lieb so wie herz gleich mohairwollknäuel "weiche schnüre"

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die linden! die lindenblüten! die linden blühen sie duften linderung zu sanft zum sagen nur ein paar schritte weit die gelbe blüte mit grün im bewusstsein duft die luft tragen nur einen satz lang die feine überfülle wissen nicht stören das reine gebet frisch wie helle wäsche im wind atmen junger juni auf zehenspitzen unter die bäume gehen stehen bleiben erhoben berauscht nieselt duftdusche schüchtern andachtsminute zögernde lidschläge - mach´ mal ein smartphonefoto gleich! dort findest du mich so dann abermals später

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auch die reste lieben und sogar die wie irre zerrütteten harmonien bekleben mit herzmemozetteln demnächst

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diese heiseren sätze in den abend geflüstert beredter halsschmerz räuspert sich ins schemenhafte ungefähr heisere jahre eigentlich schreiten geneigt wie samtpfötig hinweg über gott und die welt bleiben klammkühl umdunkelt im schweigen so ähnlich unbegreiflich wie buchstaben unter dem glas/eis

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manchmal ist es dann so als sei es schon komisch lange her und alles blumig austauschbar lachend rollen die murmeln durch´s jetztfenster augenblicke die unter zeitschranken munter drunter durch purzeln

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solche tage liegen zwischen uns fast keine zäune unsichtbar fast alle schranken offene tore da durch funkt die lichtspende umsichtig ins gemüt sowas von eso und iso und so

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ich möchte das wort besäufnis aufsagen süffig und satt das kann doch so mal reichen beiläufig ohne weiteres beiwerk besäufnis nochmal z.B. mit glatter abendluft spät im herbst und weitschweifenden mondgefühlen ohne ortsbezug

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ein sonntag ohne bratenluft überwiegend viel feiner schmeckt der kakao ohne flimmerkiste ich gestehe mir ein ich hab´es sehr gut ein klarer dunkler abend laufe den fußweg hinauf richtung rosenstraße wo ich lebe wie gewohnt mit leisem überschwang blitzen die satelliten auf oder doch andere flugkörper die mich nicht sehen da und dich weil das gefühlgewicht schweigen verläuft sich weit droben über unserer phantasie es flackert beizeiten in wellen wlan

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wir durchqueren den kleinen stadtwald wir parken uns auf der bank am fluss und die sonne macht jetzt schön feierabend in dieser ortschicht da klingt mir - pink moon - im kopf obwohl er so nun mal nicht ist oder honiggelb und orange helle purple clouds

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diese sehr vorsichtigen dinge bilden mit schlummerintuition bewegungsparallelogramme aus in einer unsichtbar ätherischen schicht fern der sinnlichen wahrnehmbarkeit man darf dies vermuten was ist es aber auch delikat fein das hochästhetisch ausformulierte schattentheaterspiegelspiel das sich vollkommen kommatafrei gleitend auf samtglätte vorwärts bewegt ohne auch nur einmal mit der glänzenden sonnenuhrwimper zu zucken unbestäubt vom irdischen alltagsgerempel gemüh aus mattem milchglas ist die glaskugel semitransparent gemacht in der auf ewig uneinsehbar der geheimnisumwobene traumzauberspuk der schlafwandler gefangen bleiben soll die im morgengrauen kaum einen blassen schimmer mehr davon haben auf welchen wankenden seilen sie über der nachtblinden stadt tanzten schwerelos ohne geländer und sicherheitskopie vom selbst fällt die kugel auf stein zerspringt sie wie eis und so klar wird das glas aber das splittergewitter gibt nur ein kaleidoskopisches bild her tausendfach facettiert so erleben wir eben jeweils doch bloß wie einmalig tag um tag scheint mir ich weiß vieles davon auch nur noch so fragmentarisch megaleise geflüstert wieder zu erkennen manchmal wie tagtraumfedern die sich auf ein schlüsselbild hin genug zum segelflug formieren

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ich erinnere mich ausführlich schwelge gedehnt in diesen lustsatt flirrenden jaaaa sommernachmittagen die wir wirklich erlebt haben könnten ganz und gar zu zweit mit lichtschwaden die wuchtig erhitzt luftig tänzelnd durch das haus zirkulieren fluide unstet wie wir entrückt genüsslich uns umkreisen ohne hast wie dampf musik oder duftendes und so mit sanftwilden sachen laut auflachen und schwitzwässern auf flächen von sitz-und liegegelegenheiten kichern schmunzeln lächeln das verborgen in sich und in unser tagnachtträumen nachhaltig hinein dann noch wenn wieder winterwinde um die häuser ziehen und wir eingestrickt da auf den dösenden lächelflächen sitzen und augenbrauensprachen schweigblicken vor uns hin fächelwimpern mit wärmenden trinkgefäßen in durchkühlten händen schwärmen unsichtbar aufflackernde gedanken und das kerzchen gibt vor ein fitzel von der sonne zu sein die uns mit heißem sprudellicht beschüttet im oh hooochsommer nachmittags wonnevoll

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niemand kennt uns nun die letzten nackten menschen sind wir - oder die ersten adam wir könnten einfach bleiben diesmal es ist reichlich vollkommen gut so hier jetzt

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zeitgleichung wenn alle trennungen aufgebraucht sind wird der spektralfarbensatz vollkreisförmig geworden sein und hat ein nichtzentrum unbenennbarer mittelpunkt sagte mein lehrer vollkommen entblößt zu mir lichtkaskadisch feierlich blinzelnd nickte ich da schwieg mich hinein in das eröffnete universalpanorama und es war nichts was ich zu wissen wage bis jetzt wie es ist oder sein könnte tatsächlich in jedem moment wieder ein ewig quellender rätselspringbrunnen ein gang in den wie leer leer wirkenden raum „unendlich“ wer denkt sich aber ein so für immer flüchtendes wort aus? und wir gehen dem sinn magisch magnetisiert nach wir suchen die trittsiegel täglich beziehungsweise die unsichtbare flugspur des unvergänglich schillernden falters mit sehnendem herz der pure nachforscherdrang treibt uns unnachgiebig an und weiter so manche nacht wird klein davon relativ die schlafnacht nur! oder bewusst wirklich dann wie etwas wahres so groß das durchlebte das unzerstreute schüchterne ganze das diffuse wachsein in einen nahezu beständigen moment verpackt

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im korpus des jetzt alle möglichkeiten sein wie konzentriert in einen funken der unantastbar durch zeittore fliegt oder diffundiert

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wonach wir suchen gehen manchmal manchmal funzelt glimmernd sommer im nachthimmel vielleicht habe ich etwas frühlingshellen leinenstoff oder aber winterwollwalk ein bisschen von meinem rock der dich wärmt so wie die eule die nacht schön macht und so weiter und wahr dann wird es tuffig still wiegt sich weiche luft über dem felde der lavendel raschelt milde das bauernhaus karg möbliert und gütliche winkel wie rundlich gezähmt für das klingende jedenfalls findet man sowas nicht in den computern und mondnachtsagen dort solcherlei blinzellicht schüchterne wimpern weben umdämmert zaghaft an den kinogewändern für das wirkliche was kommen wird doch

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des bettes glatte kühle andächtige stille des nachts unter freiem himmel und auf einem arm lagerst du den kopf auf deinem herzen schweigt kein stein wie kummergeist schwer auch kein zögernd wankender begriff meer lufthauch fächelt wellenmuster die ausruhen vom tag und entgiftung nun die alltägliche zeitrechnung sagt morgen sei sonntag wahrscheinlich weckt dich dieses licht früh dann auf schon

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was man im anderen eigentlich sucht nach rahmenloser anrede ist das meerrauschig aufmerksam zugewandte mit antwort durchflossene schweigen kuschelig dicht wie auf leeren tonbänderrollen und man erfindet zusammen ein schnittmuster um dem sonntag aus buchstabenseidengewebe das einzig richtige kleid zu nähen wie luftig übergossen seinen feinstofflich kurzlebigen leib - und welche farbe soll es sein? ist das die sinnbildfrage aus der die zeichen gluckernd sprudeln? möglich ist es bestimmt diese funktionen des dejavu-automats sind ja noch weitgehend unbekannt - und bis zum endlos weiter gehend wie im spiel

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schlafblaue zeile himmelszelle wie soll man dies diesseits dies lied singen ohne kreischen und brüllen ein/mein laubgrünes dschungelgrünes hundertgrünes herz und noch ein bisschen zugabe mehr es verfliegt aber und die plantagen aber der fluss immer das strömende kann man sich nie merken und lernen wie er sich bewegt unser aller ozean

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zwischen den zeilen oh das licht wie über seide flirrend oder im englischen garten die rosen samt tau und du trägst buff nun seit dem verreisesonntag nur noch diese paradiespantalons zu fluffigen pendlerpullovern an den lauschigen november angelehnt ermattet du geborgen eingelullt ohne hunger und durst satt angeschmiegt weichwattig nur noch von der himmlischen crisp schokolade naschen wie der mond weiß oder wie kaffeesahne oder vanillemilcheis das ist einfach so ist so eben ja

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und diese liebe beugte sich unendlich groß weit noch über den rand hinweg so wie das glas unter dem fließenden wasser duldsam überzulaufen pflegt

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und ich habe ein erstes schweigeregister angelegt darin sind stille lichter erfasst es reicht von neulich bis in ein gestern vor circa sechszehn jahren ebenso das mit den hochformaten manches muss man dauern lassen in die weile gefügt

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wir alle sitzen so auf unseren weltplätzen hier wie auf dem karussell das kreist das kreist und kreist immerfort weiter

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wild gefangene preiselbeeren zickenmilch und zitrusfrucht - ein zauberspruch so in etwa

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Kreisrunder Gedanke

wo kein blick hingelangt kann auch kein wort sein

wo kein wort hingelangt
dort kann es nichts ergreifen
dort kann es nichts in besitz nehmen

dort kann es nichts trennen

wo kein wort hingelangt

dort entsteht kein wortbild

wo kein wort hinfällt
von dort kommt vielleicht
das echo der unfassbaren begriffe

unberührtheit
unversehrtheit
einheit
vollkommenheit

wo kein blick
ein wort hinträgt
da befindet sich vielleicht alles
was wirklich
wahr ist

 

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Der transparente Raum ist eben jener Raum wo kein blick hingelangt, somit auch jener Raum wo kein wort hingelangt, ein Zwischenraum? , ein Umraum?, ein Unraum?, ein Unort?, ein Raum zwischen Wirklichkeit und Traum? Wenn kein Blick dorthin gelangt, dann lässt sich nichts Objektives darüber sagen, nicht mal etwas fragen lässt sich da hinein in diesen Raum, weil ja kein Wort dorthin gelangt, es ist ein sprachloser Raum, aber vielleicht gelingt es ja doch von diesem sprachlosen Weltinnenraum oder Weltfernraum? ein Bild zu machen aus weltlichen Werkstoffen, mit weltlichen Werkzeugen.

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Die Linie ist ein Fluss in dem Bücher schwimmen und Sterne.

Die Linie ist ein unendlich langes glatt gestrichenes Wort.

Die Linie ist ein lang gestreckter Ort.

Die Linie ist der Querschnitt einer sehr dünnen, unermesslich ausgedehnten Fläche.

In der Linie fließen Klang und Stille.

Wo die Linie nicht ist ist das Nichts, also Klang und Stille.